Donnerstag, 30. Oktober 2008

Talente, die die Welt nicht braucht

Seitdem "Britain`s got talent" den neuen Star am Opernhimmel Paul Potts hervorgebracht hat, hat sich ja einiges in der Dramaturgie der Talentshows geändert.
Bekannterweise sind diese ja streng nach Rezept international gleich geschaltet.

Was sich nicht so einfach wiederholen oder toppen lässt, das es vermutlich nicht an jeder Ecke einen Handyverkäufer gibt, der Caruso Konkurrenz machen kann. Oder will.

So wird nun zwanghaft versucht, hierzulande ohne Rücksicht auf Verluste das (inzwischen von der Telekom zu Werbezwecken ausgeschlachtete)Ereignis kollektiver Überraschung und Verwunderung zu toppen.
Natürlich bisher mit dem zu erwartenden Erfolg, nämlich keinem.

Vergessen sind "Superstars" wie Alexander Klaws (klingt irgendwie nach Sauna), Nu Pagadi oder Monrose.
es muss ein deutscher Paul Potts her, oder zumindest eine/r der/die da medienwirksam mithalten kann.

Blöd nur, dass die meisten Teilnehmer fast so talentlos sind, wie die Jury, die aus komischen Mitgliedern wie lausig deutsch sprechenden Modelexperten, zu geil für diese Welt aussehenden Blondchen oder pseudo-coolen Produzenten besteht.

Wobei wir ja schon beim Diedää wären. Ein Mann der die Medien und die Nation spaltet.
Ihn als taltentlos zu bezeichnen zollt sicher nicht den ihm zustehenden Respekt.
Keiner schafft es, sich selber besser zu verkaufen als er, mal abgesehen von einigen Personen im nicht jugendfreien Business vielleicht (was das sich verkaufen angeht).

Man ist ja immer hin- und hergerissen, ob man in ihm die Verkörperung des eigenen Wunsches sehen soll, einfach ohne Rücksicht auf Verluste herrlich political uncorrect zu sein, oder die Sprüche von ihm besser nicht bei Kollegen und Vorgesetzten zu rezitieren. Zumindest, wenn einem was am eigenen Job liegt.

Diese selbsternannten Medienprofis sollen also nun entscheiden, ob ein Kandidat das Zeug dazu hat, sich per Knebelverträgen ausnutzen zu lassen, oder nicht.
Eine fragwürdige Ehre, aber bitte, jeder kann selber wählen, wie er sich in der Öffentlichkeit preisgibt. Oder sich von seinen Eltern dazu ermutigen lassen.

Wenigstens muss man für diese fragwürdige Art der Unterhaltung keine GEZ zahlen.
Wobei ich gerne dafür zahlen würde, wenn ich dafür nicht so einen Mist im TV angeboten bekäme. Insbesondere bei den öffentlich rechtlichen, die immer mehr erfolgreich auf die Sendeformate der Privatsender umschwenken. Macht wohl mehr Quote.

Ich warte nur darauf, dass die Medienlandschaft vom gleichen Schicksal wie die Banken heimgesucht wird.
Das wäre doch mal was: Man macht Tele 5 an, und nur Bildrauschen. Darunter der Kommentar "Leider ist die Talentblase unserer Moderatoren gestern geplatzt, wir müssen daher unser Programm einstellen".

Vielleicht würden dann wieder mehr Brettspiele verkauft, und zuhause auf dem Sofa fänden wieder echte Gespräche statt, ich weiss es nicht.
Vermutlich werde ich es auch nie erfahren, denn das geschilderte Szenario wird ein frommer Wunsch bleiben.

Zum Abschluss noch ein Appetithäppchen für die Resistenten (oder die, bei denen auch die Batterien der Fernbedienung gerade leer sind):

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